Kindheit auf dem Bauernhof

Kindheit auf dem Bauernhof

Meine Mutter wuchs auf einem Bauernhof auf. Als mein Vater sie dann heiratete, zogen beide in eine kleine Stadt, wo sie ihr Auskommen fanden und wo auch ich und meine Geschwister geboren wurden. Die Verbindung zur Familie meiner Mutter blieb aber in den folgenden Jahren immer sehr eng. Sehr häufig, besonders während der Erntezeit, fuhren wir aufs Dorf, wo meine Eltern auf dem Hof halfen und ich mit meinem Cousin und meiner Cousine spielen konnte.

Der Hof war nicht sehr groß. Er bestand aus dem Wohngebäude, den Stallungen und einer Scheune. Auch der Viehbestand war recht überschaubar. Es gab einen Ochsen für die Landarbeit, eine Kuh, drei Schweine, ein paar Hühner und Gänse, einen Hofhund und zwei oder drei Katzen. Für uns Kinder war das jedoch eine Welt voller Neuheiten. Wir konnten hier spielen und uns schmutzig machen, ohne von den Eltern gerügt zu werden. Eines unser Refugien war der Heuboden. Dorthin zogen wir uns häufig zurück und erzählten uns gegenseitig Geschichten. Oder wir stöberten im Kuhstall umher, wo wir einmal sogar ein Heunest entdeckten. Ein Heunest ist ein nicht vorgesehenes Nest, in welchem Hühner gelegentlich ihre Eier ablegen. So brachten wir für unsere Großmutter völlig überraschend etwa 10 oder 15 Eier und wurden dafür gebührend gelobt.

Die Katzen waren unsere Lieblingstiere, mit den Enten und Hühnern konnten wir nicht viel anfangen und vor dem Ochsen und der Kuh hatten wir den gebührenden Respekt. Die Schweine interessierten uns eigentlich gar nicht. Dieses Spielen in Dreck und Staub ist ja nach neueren medizinisch-wissenschaftlichen Erkenntnissen förderlich für die Herausbildung eines stabilen Immunsystems. Ich hatte mein Lebtag kaum Probleme mit Infektionskrankheiten.

Vor dem Hoftor wuchs ein Fliederbusch und ein kleiner Blumengarten verlieh dem sonst schmucklosen Haus einen gewissen Liebreiz. Im Gemüsegarten stibitzten wir die eine oder andere Möhre, die wir ohne sie großartig zu waschen, direkt verzehrten. Auf den Felder baute unser Großvater Roggen, Rüben und Kartoffeln an. Gelegentlich auch ein kleines Eck mit Wasserrüben, die wir Kinder sehr liebten und regelmäßig plünderten. Währen der Schulzeit verbrachte ich noch jahrelang einen beträchtlichen Teil meiner Sommerferien auf dem Hof und soweit ich mich erinnern konnte, wurde es mir nie langweilig. Wir schliefen fast immer unter dem Dach und noch heute höre ich das angenehme Geräusch von Regen, bei dem man so wunderbar schlafen konnte.